Texte

INNENBLAU (2005)

Christoph Kopac – Objekte, Malerei, Zeichnungen
r.o [roger.orange] – Sound, bewegte Bilder

INNENBLAU existierte, bevor wir überhaupt davon wussten. Wir hatten gerade unser erstes gemeinsames Projekt abgeschlossen: Topfpflanzen wuchsen als Outlinezeichnungen, Blatt für Blatt, ein Soundtrack entstand parallel, eine Ausstellung wurde organisiert. Da brachte der Entwurf eines CD-Covers für eine imaginäre Band namens INNENBLAU Klarheit: Wir sind INNENBLAU.

Eine Band also, gewissermassen eine multimediale Band. INNENBLAU arbeitet an dem, was einem auf der Seele rumlungert. Wir sind das Instrument, das Leben ist die Musik. INNENBLAU basiert auf gemeinsamen Wahrnehmungsweisen, die immer auch die Wirklichkeiten hinter der Wirklichkeit bemerken. Wir bringen in unseren Werken Themen zusammen, die auf den ersten Blick nicht zusammengehören und stellen so Zusammenhänge zwischen verschiedenen, scheinbar gegensätzlichen Gefühlen, Aussagen und Ansichten her.

Die Widersprüchlichkeit wird gesteigert durch eine grundsätzliche Offenheit, die sich für keine Peinlichkeit zu schade ist. Gedankensurfen und Improvisation sind die eine Seite unseres Spektrums – auf der anderen Seite steht eine radikale Ziel- und Ergebnisorientiertheit: es wird gemacht, was gemacht werden muss. Maßstab ist dabei unsere Subjektivität, die im Prozess eines unangestrengten Nicht-Nachdenkens das Leben Purzelbäume schlagen lässt.

Nach den Topfpflanzen kam HörenSehen, eine psychoakustisch-visuelle Reise: elf Soundtracks, die im wesentlichen auf Stimmsamples von Christoph Kopac beruhen, und elf Zeichnungen, in einem sehr reduzierten, fast iconartigen Stil, erzählen elf Geschichten. Deren Bandbreite reicht vom harmlosen Spiel einiger Stofftiere, über die Leere, die nach der Bewältigung einer grossen Aufgabe verspürt werden kann, bis zum tiefen Schmerz einer enttäuschten Liebe.

Aus dem Casting der Nymphe entstand nicht nur ein Bild sondern auch unser drittes Projekt: Casting. Drei Variationen zum Thema „Castingsituation“ ergaben drei Stücke: Bar, You are the next, Studio.

Unser viertes Projekt ist das Element Wasser. Eine erste Umsetzung präsentierten wir in Form einer Klanginstallation auf dem 2. Berliner Kunstsalon 2005.

Das Element Wasser (2005)

Es geht um Wasser als Symbol für das Fliessen und das In-Bewegung-Sein. Der Strom des Wassers, sein Verrinnen und Wieder-Auftauchen spiegeln eine Ambivalenz. Uns geht es um diese Ambivalenz: Wasser ist Leben, Leben, das aber auch durch die Finger rinnt, nicht festgehalten werden kann und so im Moment des Lebens auch sein Ende beinhaltet. Es geht also auch um Vergänglichkeit und das Im-Augenblick-Sein. Kein Tropfen, kein Augenblick gleicht dem anderen. Darin liegt eine Spannung – und genau das macht INNENBLAU aus, die Arbeit in diesen Spannungsfeldern – allerdings ohne die Spannung auflösen zu wollen oder zu müssen. Es geht um das Aushalten von Ambivalenzen, aber nicht aus einer Schmerzens-Perspektive sondern eher aus der Perspektive von neugierigen spielenden Kindern. Was passiert mit mir, was passiert mit dem Beobachter, mit der Beobachterin, wenn er oder sie sich in dieses Spannungsfeld begibt? Wasser spricht auch von der Sehnsucht nach Ich-Auflösung und der gleichzeitigen Angst vor dem Verlust der Ich-Grenzen.

Und damit hat man dann auch die Verbindung vom Wasser zu den auf diesem Planeten weit verbreiteten Bildern über Männlichkeit und Weiblichkeit. Das lässt sich in vielen Zusammenhängen finden, von den verschiedenen Schöpfungsmythen bis zu Freud und seiner Psychoanalyse … und dieser Faden zieht sich durch bis heute. Stark vereinfacht gesagt: hart, fest, trocken, so muss das Männliche sein. „Ein Junge weint nicht“ – das ist bekannt. Weibliches wird gesehen als weich, fliessend, feucht – gerade so als ob jede Berührung mit einer Frau zur männlichen Ichauflösung führt.

Natürlich muss das Wasser auch als Klang präsent sein. Deshalb haben wir mit Aufnahmen von natürlichem Wasser gearbeitet. Die Kontinuität des Fliessens wird im Sound dann aber aufgebrochen durch die Verarbeitung der Wasserklänge. Das passiert durch ein Synthese-verfahren, bei dem der Klang in millisekunden-lange Teilchen zerlegt wird. Diese Teilchen werden gefiltert, verzerrt, mit verschiedenen Hüllkurven umgeben.

So sind auch im Sound Kontinuität und Diskontinuität, Warten und Vorangehen präsent.

2. Berliner Kunstsalon 2005

Auf dem zweiten Berliner Kunstsalon präsentierte INNENBLAU das Element Wasser.

Ein skulpturaler Nymphenbrunnen bildet den Mittelpunkt, umgeben von realistischen Frauenportraits. Ein Soundtrack, basierend auf der granular-synthetischen Verarbeitung von Wassergeräuschen vom Tropfen bis zum Ozean erweitert den Ausstellungsraum bis in das Hörzentrum der BetrachterInnen.

Eine weitere Bearbeitung des Elements Wasser wurde mit dem „soul submerger mix“ präsentiert: Der Soundtrack zur Klang-Installation von INNENBLAU wurde durch minimalistische Beats noch stärker verflüssigt. Eingetaucht in den Strom der Zeit tummelst du dich in den Tiefen deines Ichs und begegnest der osmotischen Wahrheit: Kein Tropfen, kein Augenblick gleicht dem anderen.

Der Strom des Wassers, sein Verrinnen und Wieder-Auftauchen spiegelt eine Ambivalenz: Wasser als Leben ist Bewegung, die durch die Finger rinnt. Darin eingeschrieben ist eine weitere Spannung: Die Sehnsucht nach Ich-Auflösung und die gleichzeitige Angst vor dem Verlust der Ich-Grenzen. In der Erstarrung des Wartens wird der Strom des Wassers unterbrochen.

Weitere Bearbeitungen und Präsentationen von „Das Element Wasser“ sind in Vorbereitung.

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